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Interview

Im Bereich Nautik

Karina – Nautische Offiziersassistentin / Nautikstudentin

Karina – Nautikstudentin / Nautische Offiziersassistentin

Dein Einstieg

Wie bist du zur maritimen Branche gekommen? Was hat dich dazu bewogen?

Eigentlich wollte ich schon seit meinem 14. Lebensjahr Sport und Englisch auf Lehramt studieren, doch es kam anders. Wegen Corona sollte mein Studium nur online starten – ohne Kontakt zu Kommilitonen. Aus Zufall stieß ich auf eine Instagram-Anzeige für Tourguides auf Kreuzfahrtschiffen und bewarb mich spontan. So kam ich erstmals an Bord und schnupperte Seeluft. Durch Gespräche mit einem Nautischen Offiziersassistenten wurde ich aufs Nautik-Studium aufmerksam. Ganz fremd war mir die See ohnehin nicht, mein Großvater gab in seiner Freizeit Navigationskurse, allerdings für den Sportbootführerschein und nahm mich auch mal mit aufs Meer. Zum Wintersemester 2022 begann ich schließlich mein Studium an der Hochschule Bremen.

Dein Arbeitsalltag

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus? Was machst du konkret?

Als Nautikstudentin wechseln sich Unialltag an Land mit meinen zwei sechsmonatigen Praxissemestern als Nautischer Offiziersassistent ab. Mein erstes habe ich an Bord eines Chemikalientankers verbracht. Um beides kennenzulernen, bin ich sowohl Tageswache als auch Nachtwache gegangen. Zusätzlich wurde ich Tag und Nacht auf Manöverstation gerufen, sobald wir einen Hafen anliefen oder verließen, um das Schiff fest- oder losmachen zu helfen, auf Achterstation war ich dabei fest eingeteilt, wodurch es nie feste Arbeitszeiten gab, manchmal sogar mehrere An- und Ablegemanöver innerhalb von 24 Stunden. Bei der Arbeit mit dem Dritten Offizier lernte ich den Umgang mit Rettungsmitteln und Brandbekämpfungsausrüstung sowie deren Wartung, auf der Brücke steuerte ich von Hand und durfte auch mal den Ausguck übernehmen. Nachmittags arbeitete ich meist gemeinsam mit den Matrosen an Deck und erledigte viele Instandhaltungsaufgaben fürs Schiff wie Malen, Lackieren und Rost klopfen. Später wechselte ich noch zum Zweiten Offizier, um alle Bereiche abzudecken und lernte dort alles rund um die Routenplanung.

Das Besondere

Was macht deinen Job für dich besonders? Was überrascht dich immer noch?

Ganz klar die Vielfalt, kein Tag gleicht dem anderen und genau das macht es so spannend. Mal stehe ich an Deck und überwache Ladungsoperationen, mal bin ich mit der Brückenwache beschäftigt und am nächsten Tag steht wieder etwas völlig anderes an. Was mich immer noch überrascht, ist die Weite des Meeres, dieses Gefühl mitten im Nirgendwo zu sein, nur Wasser und Horizont. Dazu die Sonnenauf- und -untergänge auf See, die einfach unbeschreiblich schön sind, jedes Mal aufs Neue. Und dann ist da noch die Besatzung, die die Zeit an Bord unvergesslich macht. Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern und Kulturen arbeiten und leben Tag für Tag zusammen, das erweitert den eigenen Horizont enorm, lässt einen unfassbar viel lernen und macht den Job für mich zu etwas ganz Besonderem.

Dein Lieblingsmoment

Das erste eigene Ankermanöver mit dem Vertrauen meines Kapitäns zu fahren und ein Schiff selbstständig sicher an seinen Ankerplatz zu bringen, ist ein unbeschreibliches Gefühl, das ich niemals vergessen werde.

Herausforderungen

Was ist manchmal herausfordernd und wie gehst du damit um?

Herausfordernd ist auf jeden Fall der Schlafmangel an Bord, jede Sekunde Schlaf ist dort Goldwert. Es fällt einfach viel Arbeit an, wodurch die Tage unfassbar schnell vorbeigehen. Auch die oft schnelle Hafenrotation kann schnell mal zur Reizüberflutung werden, ich musste erst lernen, mir bewusst einen Moment zu nehmen, um das Erlebte zu verarbeiten. Ebenfalls nicht immer leicht ist es, weit weg von zuhause zu sein und alle Liebsten für eine Weile zurückzulassen, dafür ist das Wiedersehen nach langer Zeit umso schöner. Was mir dabei wirklich guttut, ist der regelmäßige Kontakt nach Hause, von meinen Erlebnissen zu berichten und zu wissen, dass die Menschen, die mir wichtig sind, trotz der Distanz nah bleiben.

Vorbereitung

Was hättest du gerne vor deinem Einstieg in die Maritime Branche gewusst?

Gerne hätte ich vorher gewusst, wie vielseitig und international die maritime Branche wirklich ist und wie viele unterschiedliche Karrierewege sich aus dem Nautik-Studium ergeben. Auch ein realistischeres Bild davon, was die Arbeit als Nautischer Offiziersassistent an Bord konkret bedeutet, sowohl fachlich als auch menschlich, hätte mir den Einstieg erleichtert und mich besser vorbereitet.

Dein Tipp

Was würdest du jungen Menschen sagen, die überlegen, in die maritime Branche einzusteigen?

Mach es einfach! Trau dich, es lohnt sich wirklich. Lass dich von niemandem unterkriegen oder einreden, du könntest es nicht schaffen oder es sei nichts für dich. Die maritime Branche bietet so viele Möglichkeiten, wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen. Also trau dich und geh deinen Weg!

Deine Zukunft

Wo siehst du dich nach deinem Abschluss? Bleibst du in der Branche, oder hast du andere Pläne?

Ich freue mich schon sehr darauf, mein Studium zu beenden und nach dem Abschluss als Nautische Offizierin an Bord eines Schiffes zu arbeiten, auch wenn ich weiß, dass dies definitiv nicht für immer sein wird. Früher oder später wird mein Weg mich an Land führen. Der Plan ist es, der maritimen Branche trotzdem von der Landseite aus treu zu bleiben, weil sie mich einfach fasziniert und immer wieder aufs Neue begeistert.

Das ist die maritime Branche

Gemeinschaft, Vielfalt, Abenteuer